Was ist Ökumene?
„Ökumene“ heißt dem ursprünglichen Wortsinn nach „die gesamte bewohnte Erde“ und wird im kirchlichen Sprachgebrauch für die universale Dimension und missionarische Aufgabe der Kirche verwendet. Zugleich steht der Begriff „Ökumene“ für die Beziehungen und Bemühungen zwischen verschiedenen Kirchen oder zwischen Christen verschiedener Konfessionen („Konfessionsökumene“), welche die im Laufe der Geschichte entstandenen Spaltungen innerhalb der Christenheit überwinden wollen und die Wiederherstellung der „sichtbaren Einheit der Christen“ zum Ziel haben. Diese Einheit ist kein Selbstzweck, sondern steht – wie die Kirche selbst – im Dienste der Menschen: Sie soll „Zeichen und Werkzeug“ des Heils sein.
Die „Einheit aller Christen“ wiederherzustellen war auch eines der zentralen Anliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–65), das alle katholischen Gläubigen aufgefordert hat, „mit Eifer an dem ökumenischen Werk“ teilzunehmen (Ökumenismusdekret, 4). Im Dekret über den Ökumenismus macht das Konzil deutlich, dass bereits auf Grund des Glaubens an Jesus Christus sowie der rechtmäßigen Taufe eine – wenn auch noch nicht vollkommene – Gemeinschaft aller Christen besteht, die sich in verschiedener Weise in der Lehre, in der Liturgie und im gemeinsamen Handeln ausdrücken kann und soll. Das Erreichen des ökumenischen Ziels, also der vollen und sichtbaren Kirchengemeinschaft, erfordert jedoch eine ständige Erneuerung und Reform der Kirche wie auch die Umkehr und Lernbereitschaft der einzelnen Christen: „Es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung“ (Ökumenismusdekret, 7)!
Das Ziel der Ökumene, die sichtbare Einheit der Kirchen, ist nicht die Einebnung der Unterschiede auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner. Vielmehr können und sollen die geschichtlich gewachsenen Kirchen neben der Übereinstimmung im Grundsätzlichen des Glaubens ihre je spezifischen konfessionellen Eigenheiten und Schätze beibehalten und in den ökumenischen Lernprozess einbringen, um sich so gegenseitig zu bereichern und zu befruchten. Ziel der Ökumene ist somit eine „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“, eine „Einheit in der Vielfalt“.
