Die Bernwardtür
Die nach ihrem Stifter, dem heiligen Bernward, benannte Tür, die das Westportal des Domes verschließt, nimmt unter den Bronzetüren des Mittelalters einen besonderen Rang ein. Mit einer Höhe von 4,72 m ist sie eine der höchsten Bronzetüren, deren Flügel überdies jeweils in einem Stück gegossen wurden. Die Inschrift nennt als Datum 1015.
Das flächige Rahmensystem orientiert sich mit seiner Aufteilung in vier gleich große Kompartimente möglicherweise an der Bronzetür des Mainzer Domes, die der langjährige Förderer von Bischof Bernward und sein späterer politischer Gegner, Bischof Willigis, in Auftrag gab.
Die Bernward-Tür ist größer als die des Mainzer Domes und erstmals in nachantiker Zeit wird sie mit Bildern geschmückt. Zwei Löwenköpfe schützen gleichsam den von der bis zur Kriegsauslagerung nach außen gewandten Tür verschlossenen Kirchenraum.
Die Anordnung der 16 Bildfelder zeigt in Gegenüberstellung eine Bildfolge des Alten und Neuen Testamentes. In der Gegenüberstellung von Eva und Maria verdichtet sich das übergreifende Thema von Schuld und Erlösung, das das Bildprogramm der Tür in seiner Gesamtheit prägt. Der absteigenden Leserichtung auf dem linken alttestamentlichen Flügel, der mit der Erschaffung des ersten Menschen beginnt und mit dem Brudermord endet, antwortet der heilsgeschichtliche Zyklus des rechten Türflügels mit Bildern des Neuen Testamentes. Sie sind von unten nach oben zu lesen. Am Anfang steht hier die Verkündigung an Maria. Im obersten Bild ist der Auferstandene zu sehen, der als "neuer Adam" die Schuld des ersten Menschen gesühnt und den Tod überwunden hat.
Für die Zeit der Domsanierung wird die Bernwardtür im Roemer- und Pelizaeus-Museum präsentiert. Im Rahmen der Stadtführungen (bis zum 31.10. täglich um 14 Uhr, vom 1.11. bis 31.3. mittwochs um 14 Uhr und samstags und sonntags um 11 Uhr) ist die ausschließliche Besichtigung der Bernwardtür im Roemer- und Pelizaeus-Museum möglich - hier gilt für Teilnehmer in Begleitung eines Gästeführers im Rahmen der regulären Öffnungszeiten des Museums ein Eintrittspreis von 1 Euro pro Person. Ansonsten gilt der reguläre Eintrittspreis für das Roemer- und Pelizaeus-Museum. An jedem 1. Sonntag im Monat bietet das Museum mit „Musik und Wort an der porta salutis“ in Kooperation mit der Universität Hildesheim eine ganz besondere Begegnung mit der Bernwardtür: Zwischen 11 und 12 Uhr ist die Besichtigung kostenlos, um 11.30 Uhr nehmen Studierende eine kurze musikalisch-literarische Betrachtung der Bronzetür vor.
